Voll im Trend

Heute hat mein Garmin mal wieder die 41° Marke erreicht und nicht weil mein Rennrad in der Sonne stand, sondern bei einer Geschwindigkeit von 19,6 km/h. Hervorzuheben ist auch, dass es Ende Juni ist. Das letzte Mal hatte ich beim Radeln so hohe Temperaturen 2023 im August.
Heat-Training im Radsport liegt zurzeit voll im Trend. Das Prinzip zielt darauf ab, dass der Körper unter Stress gerät, wenn er extremen Umgebungsbedingungen ausgesetzt wird. Durch wiederkehrende, gezielte Trainingsreize soll der Sportler dahin trainiert werden, sich an heiße Umgebungsbedingungen anzupassen und damit im Wettkampf die Leistung länger aufrecht erhalten zu können.
Das ist aber was für Leistungssportler und wie langfristig dies der Gesundheit schadet möchte ich gar nicht wissen.
Wir sind in Ampezzo und können gar nicht anders, als mit dem Rennrad unter freiem Himmel zu fahren.
Früh los wäre eine Maßnahme der schlimmsten Hitze zu entkommen, aber Frühstück gibt’s erst um halb acht.
Die Tour so wählen, dass man längere Zeit in großer Höhe ist, aber dazu muss man erstmal hoch. Unser Startpunkt in Ampezzo liegt auf 565 m, also genau so wie München-Solln.
Die Strecke so wählen, dass man viel im schattigen Wald fährt, wäre auch von Vorteil, aber die Sonne steht nahezu senkrecht.
Um halb neun machen wir uns auf den Weg. Fünf Pässe liegen vor uns.

Alles beginnt mit Frühstücken

Anstieg zum Passo Pura
Passo Pura

Auf der Staumauer 136m hoch


Der Südanstieg zum Passo Pura liegt im Wald. Es ist eine Genussstraße mit Ausblicken. Kurz hinter der Passhöhe liegt das Rifugio Tita Piaz oder in der Zahrischen Sprache – Perkhhite Tita Piaz. „De zahrar sproch“ ist ein uralter, südbairischer Dialekt, der in der italienischen Gemeinde Sauris gesprochen wird. Und somit war klar, die eiskalten alkoholfreien Biere gingen der Wirtin nicht aus.
Auch die Nordabfahrt (noch schattiger) bis zum Stausee von Sauris mit abschließenden Natur-Tunnel kühlte uns weiter runter.
Hier teilt sich der Weg und auch bald unser Team. Manfred und Willi entschieden sich für die Ostvariante, Thomas und ich für die Westvariante. Willi begleitete uns noch bis Sauris di Sopra, dann waren wir wieder zu zweit, allerdings heute alles mit Ansage.

Stausee von Sauris

Dörf Khraizbkeh
Sauris di Sopra

Sella di Roida


Uns erwartete jetzt ein kurzes Stück Erholung im Wald, bevor die Sonne wieder in einigen steilen Kehren mit 18% im Schlussanstieg erbarmungslos auf uns niederbrutzelte.
Geschafft! Wir waren jetzt auf der Hochebene Val Lumiei und der Sella di Roida. Sogleich beschlossen wir zur Sella di Razzo weiterzufahren, denn hier gibt es einen Berggasthof. Das Mittagessen aus der Spezialitätenküche: Frico e Polenta ist ein traditionelles, herzhaftes Gericht aus der norditalienischen Region Friaul-Julisch Venetien. Es besteht aus zwei Teilen: Frico, einer Spezialität aus geschmolzenem, oft knusprig gebratenem Käse (oft mit Kartoffeln und Zwiebeln), und Polenta.

Val Lumiei

Sella di Razzo
Malga Casera Razzo

Gewitterfront


Es war einiges los, wir wurden aber prompt bedient, soviel Zeit zur Pause hat man als Rennradfahrer nicht. Die Weiterfahrt blieb uns verwehrt. Wie eine Wand stand die Gewitterfront im Westen. Also zurück. Wir hatten noch eine Alternative, die SP 619, SP465 und SR355 nach Ovaro. Die nutzen wir.
Nach ca. vier Kilometer erreichten wir den Abzweig zur Forcella Lavardet. Diesen Pass ließen wir natürlich nicht aus und fuhren den Schlenker bis zum Scheitelpunkt.

Die Forcella Lavardet ist ein Abenteuerpass. Immer wieder wird der nördliche Abschnitt von Erdrutschen heimgesucht, aufgrund die Straße schon mehrfach gesperrt wurde. Alle möglichen Herstellungsmaßnahmen helfen nur kurzfristig. Deshalb gibt es einige Schotterabschnitte. 14 Kehren auf einem Grad sind sehr interessant zu fahren. Wir sind zur Passhöhe gefahren, haben diesen aber nicht gebucht. Eine Frage der Rennradlerehre!

Forcella Lavardet

Die Hitze

Letzte Pause (Montag Ruhetag)
27 Kilometer begrab klinkt zunächst gut. Bei 38° föhnartigem Gegenwind hat der Spaß gleich ein Loch. Dass die Brücke über den Torrente Degano wegen Baumaßnahmen gesperrt war, war zu unserem Vorteil. Wir blieben auf der westlichen Seite, machten ein paar zusätzliche Höhenmeter und hatten unsere Ruhe. Der Dorfbrunnen in Muina rettete uns dann vor den Verdursten.
Mit ordentlichem Tempo erreichten wir Villa Santina. Jetzt lagen noch 250 Höhenmeter bis Ampezzo vor uns. Diese werden wir noch einmal als Schlussanstieg fahren müssen, was kein richtiges Vergnügen ist.
Mit dieser Tour lagen wir voll im Trend. Also weiter so! – oder doch nicht?

In der Nacht gab es dann das erste richtige Gewitter und eine Abkühlung. Morgen steht eine Regenerationsrunde auf dem Plan.

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