Aufwärmen

Es ist herrlich, der Wein steht guat, Zimmerlen san frei …*

Mai 2026. Es schneit bis auf 1000 m runter und das Wetter ist nicht recht stabil. Wir verschieben das Trainingslager Friaul.
Dann die Wende. Ab Mitte der Woche soll es in Südtirol warm werden. Ideal als Warmmachphase für die kommende Saison. Wir, Andreas, Manfred und Michi buchen drei Zimmerlen für zwei Nächte in Kaltern an der Weinstraße.

Nach meiner Ausbildung zum Ernährungs-Instruktor konnte ich erstmalig mein Wissen am Team anwenden. Meine beiden Mitstreiter mussten dafür herhalten. Es bedurfte ein wenig Überzeugungskraft. Aber durch die Südtiroler Turbo-Verpflegung konnten wir drei die Herausforderung ziemlich gut meistern.

Gerstensuppe

Wir sitzen im Café Mondschein mitten in Kaltern. Das Wetter ist noch unbeständig, und wir beschließen erstmal ein Frühstück zu nehmen (mein drittes am heuteigen Morgen).
Für den heutigen Ankunftstag ist noch nichts geplant. Schnell sind wir uns einig. Der Mendelpass liegt direkt vor der Haustür. Die Auffahrt über 940 Höhenmeter ist ein Genuss. Kaum Verkehr, einige ambitionierte (aber auch schlagbare) Rennradler und bester Belag.
Am Pass zeigt sich dass hier der Tourismus keine Bedeutung mehr hat. Die Karawane zieht es in die weite Welt. Die Infrastruktur ist dem Verfall preisgegeben. Doch die standhafte Bar Ristorante Rodeo cucina no stop hat, wie der Name vermittelt, immer geöffnet.
Hier gibt’s die erste Bewährungsprobe der Probanden: Die Gerstensuppe. Es Wird aber auch Gulaschsuppe bestellt.

Über einen Pass muss man immer drüberfahren! Das ist mein Kredo. Der Mendelpass eignet sich dazu hervorragend. Auf der Westseite kann man eine Schleife ohne allzu viel Höhenmeter zu fahren. Jetzt fängt’s doch noch an zu regnen. Ein warmer Sommerregen begleitet uns bis Kaltern. Wie kanns auch anders sein, in diesem Frühjahr 2026.
Früh am Abend sitzen wir gemütlich beim Aperitivo. Es gib viel zu besprechen bei Pizza und Pasta und Kaltgetränken.

Anstieg zum Mendelpass

Bar Ristorante Rodeo
Blick vom Ristorante Rodeo

Am Mendelpass

Graupensuppe

Was ein Morgen! Wolkenloser Himmel. Nach Wechselduschen und Regenerationsshake unmittelbar nach der gestrigen Tour und Pasta am Abend, ist mein Körper im Angriffsmodus. Fast 2000 Höhenmeter und vier Pässe stehen auf dem Programm. Noch sind die Temperaturen moderat warm. Die 17 Kilometer Abfahrt als Anfahrt sind perfekt.
Dann geht’s auf den ersten (nichtbenannten) Pass bei Truden. Lange zweistellige Steigungsprozente erwarten uns auf der alten Straße zum Passo San Lugano. Auch sind 17% keine Seltenheit. Trotzdem ist es wunderbar. Die Stille wird nur durch einen Almbauern unterbrochen, der eine Wiese am Steilhang mäht.
In Truden stärken wir uns mit der Anstiegs-Standard-Verpflegung: Apfelstrudel, Espresso und je zwei Apfelschorlen.
Die Abfahrt führt uns nach Fontanefredde. Von hier sind’s noch gute zwei Kilometer bis zum Passo San Lugano. Die Schleife zurück zum Lugano führt uns über einen wildromantischen Radlweg ins Fleimstal, dann auf frisch asphaltierter, schwarzer, heißer Straße bis zum Abzweig zur SP79 bei Carbonare. Mittlerweile ist es 14Uhr und wir brauchen unsere Mittagsration. Die schmale, zunächst schattige Straße später steil und sonnig führt bis Altrei. Auch hier gibt’s nur frisches Wasser. 90 Höhenmeter noch bis zur Ebner Rast, mit Ristorante Pizzeria aperto! So hatten wir die Mittagspause kurz vor der Nase. Ich erreichte hungrig die Terrasse und sagte dem Wirt, dass ich mit der Bestellung noch auf meine Freunde warte. Dies bekamen drei italienische Gäste mit, die mir zwei Minuten später zu verstehen gaben: „Gli amici sono appena passati“. Jegliche Versuche mich bemerkbar zu machen, schlugen fehl. So verschoben wir die Graupensuppe auf den Albergo Genzianella am Passo San Lugano.

In Auer herrschten bereit 34° und wir machten Tempo, um der Hitze möglichst schnell zu entkommen. Durch die Weinberge, entlang des Kalterer Sees führt eine super Radlstrecke für Autos gesperrt. Heiß war es trotzdem in den letzten 200 Höhenmetern bis Kaltern.
Abends musste ich keine Überzeugungsarbeit mehr leisten. Es gab Pasta, Salat mit Zwiebeln und Kaltgetränke.

Blick von der Pension Latemar

Kalterer See
Anstieg nach Truden
Alte Bahntrasse ins Fleimstal
Radlweg nach Kastell im Fleimstal
Nach Altrei
Bait

Altrei

Speckknödelsuppe

Heute müssen wir auschecken. Die Idee: Wir verschieben den Start nach Nals, denn hier gibt es ein geöffnetes Schwimmbad. So können wir nach der Tour (34,6° in Bozen) duschen, baden und gepflegt nach Hause fahren.
Die sieben Kilometer Anfahrt durch die Apfelplantagen bis Terlan sind schon warm genug. 2006 stand ich hier das letzte Mal mit dem Rennrad. Damals mit 39/26 als kleinste Übersetzung. Der Anstieg bis Mölten ist eigentlich ein Anstieg der Kategorie HC, wenn man ihn als einen Anstieg betrachtet. Angenehm zu fahren ist er trotzdem, denn um diese Uhrzeit ist es richtig schattig.
In Mölten (hier ist die gesamte Ortsdurchfahrt 17% steil!) machen wir Pause. Standardverpflegung. Die Straße ist im weiteren Verlauf schmal und profiliert. Vom Schermoossattel bis nach Bozen geht’s nur noch bergab. So meine Motivationsansprache. Aber schon 100 m später ist die Straße gesperrt und zwar richtig gesperrt. Die Umleitung ist ausgeschildert. Einfach rechts in den Lanzenweg. Traumhaft – steil!
Nach dieser zusätzlichen Kraftanstrengung sind wir uns schnell einig. Mittagessen beim Gasthof Tomanegger. Hier gibt’s die beste Speckknödelsuppe (für uns mit je zwei Knödeln) Südtirols. Dazu reichlich Apfelschorle und alkoholfreies Forst. Eine Stunde Rast tut gut, zumal wir schon noch einige Höhenmeter zu bewältigen haben. Die Nebenstraße Via Miramonti von Jenesien über Cologna di Sopra muss man unbedingt gefahren sein. Diese endet mit einem neuen Tunnel abrupt am Tunnelausgang. Jetzt befinden wir uns auf der Hauptstraße nach Bozen und das Spektakel kann beginnen.

SP99

Die beiden fast 360° kann man eigentlich mit dem Rad nur talwärts fahren, dafür mit ordentlich Speed. Dazwischen sieht man auf Bozen, die Bozner Weinberge und die Dolomiten.
Zurück nach Nals auf dem Etschtal-Radweg fahren wir mit über 40km/h. Der Südwind hilft mit.
Nach diesem heißen (34,6°) Ritt, freuen wir uns aufs Schwimmbad. Das was geöffnet ist, ist allerdings nur der Schwimmbadkiosk. So bleibt es bei alkoholfreiem Bier und einer Limonade. Der kleine Ausrutscher sei erlaubt 😉

Apfelplantagen bei Andrian

Mölten

Am Schermoossattel

Lanzenweg

Am höchsten Punkt

Lärchenwald

Blick auf Bozen

Steckbrief

  • Tour: Kaltern West
  • Distanz: 46
  • Höhenmeter: 1250
  • Pässe: 2
  • Pässe < 1000m: -
  • Hinweise:
    Schleife auf der Westseite

Steckbrief

  • Tour: Kaltern Ost
  • Distanz: 85
  • Höhenmeter: 1900
  • Pässe: 3
  • Pässe < 1000m: -
  • Hinweise:
    Auf der Hauptstraße SS48 gibt es kurz vor Auer einen Tunnel.

Steckbrief

  • Tour: Nals Ost
  • Distanz: 68
  • Höhenmeter: 1730
  • Pässe: 1
  • Pässe < 1000m: -
  • Hinweise:
    1 kurzer unbeleuchteter Tunnel kurz nach Terlan3 Tunnel (2 Krawattentunnel) vor Bozen


* Polt und Grünmandl in „Touristikinformation


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