5.August 2019 – 84km – 2900Hm
Karte mit GPS-Daten etc. findest du hier


Als Stützpunkt hatte ich das beschauliche Allemond gewählt. Nur ca. 10km von Bourg d'Oisans entfernt, muss man natürlich Alpe d'Huez fahren. Als Freund von verkehrsarmen Nebenstrecken, wollte ich aber dem Trubel(Radler, Touristen-Autos, Lieferverkehr) auf der Standardstrecke entgegen. Von meinen Besuchen als Skifahrer in den 80er Jahren waren mir die berühmten 21 Kehren auch nicht als landschaftlich sonderlich interessant in Erinnerung.
Nach Kartenstudium und Internetrecherche fand sich auch schon eine schöne Alternative, die sogar noch über Alpe d'Huez hinaus bis auf 2100m führen sollte. Ja und dann musste natürlich auch noch ein Pass her – Col de Sarenne, 1999m

Pas de la Confession, 1542m

Pas de la Confession

Villard-Reculaz – Pas de la Confession – Huez

Statt von Allemond nach Bourg d'Oisans aufzubrechen, fahre ich also in entgegengesetzter Richtung am Ortsende gleich die Kehren zum Staudamm am Lac du Vernay hoch.
Vom Lac du Vernay nach Alpe d'Huez führt eine Bergstrasse, die in etwa auf halber Distanz den Wintersportort Villard-Reculaz durchquert und am Pas de la Confession ihren Scheitelpunkt erreicht. In einer kurzen Abfahrt trifft man dann im Ort Huez auf die berühmte Tour de France Strecke.
Völlig entspannt und fast autofrei radle ich so hinüber nach Huez und reihe mich ein in die radelnde Pilgersschar hinauf ins Radlermekka Alpe d'Huez.
Alpe d'Huez
Wie die Geier lauern sie hier und an allen anderen großen französischen Alpenpässen: Fotografen! Eine Bilderserie vom radelnden Heroen geschossen, eine Visitenkarte in die verschwitzte Hand gedrückt und der Champion kann zu Hause seine Heldentat mit einem Profifoto belegen.
Ich gestehe – ich hab eins gekauft! Anselm, hast Du auch eins?
Vom Autoverkehr schwer genervt, nutze ich aber die baldige Gelegenheit die berühmten Kehren zu verlassen und nehme die ruhige, östliche Auffahrt Richtung Flughafen.
Lac Besson, 2100m
In Alpe d'Huez angekommen, geht's so gleich schnurstracks geradeaus durch den Ort hindurch und rauf auf die schmale Strasse zum Lac Besson, meinem ersten Tagesziel. Ich bin zwar der einzige Rennradler, der hier unterwegs ist, aber am eigentlich idyllischen Bergsee ist der Parkplatz völlig überfüllt. Einmal rum um den See, das ist des (Auto-)Wanderers Ziel.
Meines heisst erstmal – Durst löschen!
Gesagt getan. In einem Bergrestaurant einer berühmten Skidomäne bedeutet das, 7 EUR für eine halbe Kronenbourg Plempel zu löhnen.
Col de Sarenne, 1999m

Altiport de l’Alpe d’Huez

Ich fahre auf dem selben Weg wieder hinab nach Alpe d'Huez, aber diesmal tatsächlich hinüber zum Flugplatz.

In krassem Kontrast zum Skiort beginnt kurz danach die karge Weidelandschaft, die der Weg zum Col de Sarenne durchquert. Es gilt ein Tempolimit von 20km.
Zunächst etwas bergab führend, geht's nach der Überquerung des Bächleins Sarenne wieder kräftig bergauf. Auf den letzten Kilometern hoch zum Pass machten sich bei mir, einer Radlerpärchen im Genick, doch schon erste Ermüdungserscheinungen bemerkbar.

Die Abfahrt hinab nach Mizoën ist einfach genial. Die ersten Kilometer führen durch eine wilde Landschaft, die mich fast etwas an Gran Canaria erinnert. Am Lac du Chambon fahr ich über den Staudamm, schalte wegen des Tunnels mein Licht ein und fahre auf der breiten Hauptstrasse hinab nach Le Freney d'Oisans.
Bourg d'Oisans – Allemond
Les Balcons d'Auris

Les Balcons d’Auris vom Forstweg am Col de Solude

Ich befinde mich jetzt auf der D1091, der Verbindungsstrasse Bourg d'Oisans – Briancon. Das wäre zwar der schnellste weg nach Hause, aber bei dem Verkehr will ich da so schnell wie möglich runter. Eine Lösung hatte ich vorher auch schon ausgekundschaftet. Es gibt mal wieder eine einsame Bergstrasse – die sogenannten Balcons d'Auris – die oberhalb der Schlucht „Gorges du Chatain“, mit kleinen Tunnels gespickt, hinüber zu Kehre 5 des Alpe d'Huez-Anstiegs führt. Der Haken – das Wörtchen „oberhalb“. Das bedeutet, es geht nun erneut bergauf!
Bei Temperaturen im Tal über 30°, war ich mittlerweile schon etwas groggy. Die Radflaschen hatte schon zweimal aufgefüllt. Aber es hilft nix, Berggang eingelegt und hochgekurbelt, hochgekurbelt, hochgekurbelt …
Irgendwann erreiche ich ziemlich angeschlagen den höchsten Punkt. Es geht bergab. wilde, schmale Straße. Die harmlosen Tunnels. Und schließlich überquert man beim Wasserfall „Cascade de Sarenne“ die jetzt bereits zum Flüßchen angewachsene Sarenne. Noch einmal ein kurzer Anstieg und bald danach rausche ich die letzten 5 Kehren von Alpe d'Huez hinein nach Bourg d'Oisans. Ortsdurchfahrt und rauf den brettl-ebenen „voie vert“, wo ich entspannt nach Allemond hinüberkurbele.

voie verte nach Allemond