9.August 2019 – 38km – 1734Hm (+ 2km Fußmarsch)

Karte mit GPS-Daten etc. findest du hier


Nur nicht in die Brennnesseln fassen! Der Pfad ist im Gras kaum zu sehen, steil, rutschig und ohne Festhalten mit Radschuhen nicht zu machen. Barfuß vielleicht. Gibts hier Schlangen?

Dabei hatte der Tag noch ganz harmlos begonnen. Col du Sabot, 2130m stand heute am Programm. Nichts für die Palmares, da es sich um eine cul-de-sac, eine Sackgasse handelt. Die Straße endet an der Passhöhe.
Ich war mal wieder auf der Seite cycling-challenge.com darauf gestoßen. Auch ein einheimischer Rennradler hatte mir am Vortag davon vorgeschwärmt, allerdings auch vor dessen Steilheit gewarnt.

Start mit spürbar müden Beinen vom Vortag. Glandon und Croix de Fer (davon 7km Renntempo im Kampf mit besagtem Rennradler), sowie ein abendlicher Ausflug zu den Kehren von Oulles hatten Schmalz gekostet.
Also wie immer hoch zum Staudamm vom Lac Vernay. Diesmal aber schon nach wenigen Kilometern rechts ab und aufs Maria-Hilf-Kranzl geschaltet.
So schlich ich hoch nach Vaujany und weiter bis zum Sportzentrum bei Le Collet, der Grenze der Zivilisation.

Ab jetzt gabs nur noch Berg, Schafe und Radler. Kein Haus, kein Baum, nur die Sonne und die Straße.

Eine Gruppe Mountainbiker in voller Montour bei der Abfahrt, eine zu durchquerende Schafherde kurz vorm Pass und ich war irgendwann angekommen.

Col du Sabot, 2130m laut Wegweiser. Parkende Autos, ein paar Wanderer, kein sehr attraktiver Ort.

Col du Sabot – Endstation

Also beschloß ich, mein Rad schulternd, noch ein paar Meter dem Pfad Richtung Lac de Grand Maison zu folgen um dort im Gras Brotzeit zu machen.
Man konnte unten schon Lac de Grand Maison in der Sonne glitzern sehen.

Col du Sabot – Lac de Grand Maison in Sicht

Blick vom Brotzeitplatz zum Lac de Grand Maison

 

Gerüchten zu Folge (besagter Radlerkollege vom Vortag bestätigte dies) gibt es seit längerem Planungen der Tour de France, die Strasse über den Col du Sabot bis hinunter zum Staumauer zu verlängern.

Tatsächlich führte hier bereits so eine Art Karrenweg den Berg hinab. Wahrscheinlich würden sie den ausbauen.

Mein Pioniergeist war geweckt.

Wo würde ich hier ein Straße anlegen? Komme ich hier zu Fuß bis zur Staumauer?
OpenStreetmap gechecked – es gibt einen Wanderweg zur Staumauer.

Sollte diese für Fußgänger gesperrt sein, bräuchte ich aber noch eine Alternative um das Flüsschen Olle überqueren zu können.
OpenStreetmap gechecked – es scheint sogar eine Art Forststraße zu geben, die bis zur D526 leitet (gabs nicht! Fenetre de Grand Maison ist wohl ein unterirdischer Stollen/Überlaufschacht sein).

Richtig begegeistert von meiner Idee, machte ich mich sofort, das Rad wieder über der Schulter, auf den Weg hinab zum bereits bald sichtbaren Almboden. Dort angelangt – vor einer Almhütte hing Wäsche zum Trocknen auf der Leine – ging der Karrenweg über in einen Pfad.
Vom Stausee kommend, könnte man hier, bei gut präpariertem Untergrund durchaus Radprofis zum Pass hochjagen. Kehren und Steigungen um die 25% wären spektalär.

Allerdings wärs vorbei mit der Almidylle hier oben. Die Pfadspur lief jetzt nur leicht fallend durch die Wiesen direkt auf den Stausee zu. Die Spur war hier so gut, dass ich mich sogar wieder in den Sattel schwang.
Etwas unterhalb an einem Bach saß ein Pärchen, das völlig konsterniert, ob des ungewöhlichen Besuchers, meinen Weiterweg verfolgte.

Kurz oberhalb des Lac de Grand Maison, ich war mittlerweile radschiebend unterwegs, gabelte sich der Weg an einem Wegweiser.

Dem Pfad nach rechts steil bergab folgend, wäre man in wenigen Minuten unter am See. Wenn dann aber der Stammdamm unüberquerbar gesperrt wäre, müsste ich mein Rad wieder hier hoch schleppen.

Col du Sabot von der Straße zum Croix de Fer

Col du Sabot von der Straße zum Croix de Fer

Also folgte ich der undeutlichen, linken(im Bild oben rechten) Pfadspur. Dem Wegweiser nach musste sie zum Fuß der Staumauer führen.
Mittlerweile, und da sich bis heute nichts daran geändert, war es mir völlig rätselhaft, wie man hier eine Straße von der Staumauer zum Almboden bauen könnte, ohne den halben Berg umzugraben, Wege freizusprengen etc.

mein "Wanderschuh"

mein „Wanderschuh“

 

Mein Abstiegsweg war auf keiner Onlinekarte eingezeichnet. Mit Recht. Teilweise fast überwuchert, Felspassagen, steile rutsche Teilstücke. In einem Wanderführer würde man schreiben: Nur für den trittsicheren Wanderer mit festem Schuhwerk. Absolut nichts für Radschuhe.

Nur dank meiner sensationellen, übernatürlichen, koordinativen Fähigkeiten gelang mir ein sturzfreier Abstieg(ohne Brennesselkontakt!).

Ich erreichte eine Art Forstweg, der bis zum Wandfuß des Stausees führte. Den Versuch die steinige Piste abzufahren, brach ich nach wenigen Minuten ab, da ich Angst ums Material bekam. Und so schob ich lieber noch mindestens einen halben Kilometer bis zum Beginn eines wieder befahrbaren Untergrunds, ehe ich mich wieder in den Sattel setzte.

Zurück gings dann wie am Vortag auf der D526 hinab nach Allemond.

mein Fazit:
Ich bin kein Fan dieser Tour-de-France-Trasse mehr.
Die einsame, idyllische Naturlandschaft wäre zerstört.