2011
Am 13. Mai 2011 waren Willi und ich eine Woche beruflich für Linde nahe Mailand. Wir wohnten in einem schönen Golfresort, eine halbe Autostunde nördlich von Arluno, hatten die Rennräder mit und freuten uns auf abendliche Ausfahrten. Daraus wurde aber nichts. Vor 20uhr waren wir nicht zurück.
So nutzen wir die einzige Gelegenheit auf der Heimfahrt und radelten (Übersetzung 39/27) von Splügen aus auf den Splügenpass.
Ich hatte den Pass bis heute nicht in meinem Palmarès verbucht, da ich wusste, die eigentliche Herausforderung ist die Auffahrt von Süden. Das hole ich jetzt nach.
Heute ist meine Übersetzung 34/32 es fühlt sich an, wie vor 15 Jahren.
2026
Die 32 Kilometer mit insgesamt 51 Kehren von Chiavenna bis zum Splügenpass kann man in vier Abschnitte einteilen. Den ersten 15 Kilometer langen Anstieg vom Kreisverkehr in Chiavenna bis zum Ortsausgang Corti-Campodolcino.
Hier teilt sich die Straße. Nach links führt die SP1 über Isola, geradeaus bleibt man auf der SS36.
Auf der SS36 beginnt der interessante vier Kilometer lange Abschnitt durch eine senkrechte Felswand bis Pianazzo.
Der darauffolgende Abschnitt zieht sich fast sieben Kilometer über Almwiesen und eröffnet erstmals Ausblicke auf die umliegenden Berge. Es folgt das zweite Flachstück östlich des Lago di Montespluga bis zum gleichnamigen Ort am nördlich Ende.
Der letzte Abschnitt ist die drei Kilometer lange Passauffahrt entlang des Baches Liro.
Schon in der ersten Galerie muss ich feststellen, dass der Akku meines Rücklicht leer ist. Es ist aber hell genug.
Nach 13 relativ schnellen Kilometern stehe ich vor dem 342 m langen Tunnel ‚Stuz‘. Links davon parken ein paar Autos. Hinter diesen beginnt die alte Straße ‚Vecchia Galleria Stuz dello Spluga‘.
Ein wenig Asphalt ist noch zu erkennen, der Rest ist zugewachsen. Kletterer nutzen die Felswand zum üben. Je weiter ich auf dieser verwegenen Straße fahre, desto unsicherer werde ich, ob die Straße nicht plötzlich endet. Geradeaus scheint Schluss zu sein. Doch da geht es um eine enge 90 Grad Kurve in eine schmale uralte Galerie. Diese konnte früher sicher nur einspurig befahren werden.
Am Ende befinden sich zwei kleine Stufen und ein schmaler Vorsprung, um zu Fuß wieder auf die SS36 zu gelangen.
Blöd nur, dass hier ein Elektokasten montiert ist. 20 cm bleiben mir, um vorbei zu balancieren. Geschafft! Ich bin wieder auf der SS36.
Bei Prestone folgt ein kurzes Flachstück zur Erholung.
Nun beginnt der interessante Abschnitt durch die Felswand. Plötzlich ist es ruhig. Die Autos meiden die zehn Kehren und weichen über Isola aus. Kunstvoll ist die Straße angelegt. Ich halte öfter an, um zu fotografieren. In Pianazzo fülle ich die Wasserflaschen auf.
Die nächsten Kilometer bis zum Stausee werden nicht leichter. Ein junger, sportlicher Italiener überholt mich. 30 müsste man halt nochmals sein.
Ich treffe Balla am Stausee. Wir ergattern einen der begehrten Tische im Albergo della Posta. Brennessel-Gnocchi und Graupensuppe, sehr zu empfehlen.
Den letzten Abschnitt teilen sich nur noch Radler.
15 Jahre und drei Monate hats gedauert, bis ich endlich den Splügenpass buchen konnte. Leicht zu fahren ist er nicht. Wenn ich die Eskapade an der Galerie Stuz ausklammere, dann habe ich 2 Stunden und 28 Minuten für den Anstieg benötigt. Das entspricht knapp 750 Höhenmeter pro Stunde. Ich such mal nach Daten zur Auffahrt 2011.
P.S.: ich habe die Daten! 630 Hm | 47 Minuten (ohne Pause) | 808 Hm/h –> also so super war das aber auch nicht 🙂



















