Der Wetterbericht der Schweiz für Montag und Dienstag ist bestens. 23-25°C, bei einer Treffsicherheit von 80%. Evtl. bleibt auch der Mittwoch noch schön.

Die alte Gotthardstraße steht schon lange auf meinem Plan. Also ran an den Speck.


MONTAG 10.08.2018
Abfahrt Montag früh um 4:30 in München. Ankunft in Disentis um 8:30.
Frühstück, Standplatz am wunderschön gelegenen Campingplatz Fontanivas einrichten und schön gemütlich um 11:30 rauf auf’s Rad.

Erstmal noch nicht zum Gotthard. Ich möchte Michi’s Andermatt-SW-Runde fahren. Mit 3 schweren Pässen aber am besten ausgeruht erst morgen.
Heut am Anfahrtstag soll’s nur eine kurze Ausfahrt werden.

Also fahre ich erstmal nur den Oberalppass. Geht’s mir gut, kann ich den Lukmanier noch hinterschieben. Wenn nicht, hab ich dafür noch den Mittwoch.
Wenn der Andermatt-Event stattfinden sollte, wären beide Pässe zwar auch Teil der Andermatt-SO-Runde. Aber diese 160km Runde ist mir wahrscheinlich eh eine Nummer zu groß und so hab ich sie schon mal „sicher“.

Kehren zum Oberalppass

Die Auffahrt geht easy. Nur mäßige Steigung bis Tschmut. Nach eineinhalb Wochen ohne Radfahren ist heute richtig Druck auf dem Pedal. Und so nehme ich auch schließlich die Kehren zum Oberalppass mit Schmackes.
Wow, hat richtig Spaß gemacht.
Zurück in Disentis, gibt’s erstmal Brotzeit und Mittagspause.

Weils so gut lief, soll jetzt natürlich noch der Lukmanier her. Und wenn’s Wetter am Mittwoch mitspielt, könnt ich dann ja noch Teil3 des Andermatt-Events mit Susten und Grimsel fahren!

Lai da Sontga Maria

Doch auweeh!?

Die 10% gleich zu Beginn des Anstiegs durch die Höllenschlucht fühlen sich irgendwie gar nicht gut an. Die flockige Auffahrt zum Oberalppass hat offensichtlich Spuren in der Muskulatur hinterlassen. Nix mehr mit „bene gambe“ :-/

Die Passstraße zum Lukmanier ist nicht wirklich schwer.
Nach der Höllenschlucht geht’s relativ flach, fast langweilig meistens nur geradeaus.
Nervig die Baustellen in den Tunnels. Das einzige Highlight der Stausee Lai da Sontg Maria.

Fazit am Ende des Tages:
die „kurze Ausfahrt“ am Ankunftstag brachte 86km(nur 14km weniger als morgen), ca.2200Hm und eine übersäuerte Oberschenkelmuskultur mit Neigung zu Krämpfen
na servas …

DIENSTAG 11.08.2018
Mit dem Auto an der Andermatt-Großbaustelle von Meister Sawiris vorbei nach Hospental.
Um 9:45 rollt es sich bei kühlen Temperaturen noch ganz locker rein nach Realp. Schon geht’s die Kehren hoch Richtung Furkapass.
Ein mich überholender Senior-Rennradler fragt mich: „Und, läufts?“ „Na, ned so richtig“ meine Anwort. Die gestrigen Taten stecken mir deutlich spürbar im Gebein.
Die Kehren liegen schließlich hinter mir, als mich ein Radler aus Chur einholt. Er war mit seiner Frau per Bahn heute früh nach Andermatt gefahren und hatte jetzt mit ihr die selbe Runde (Nufenen, Gotthard) vor, mit der Option in Airolo wieder in die Bahn zu steigen, falls die Kondition nicht reichen sollte. (Für uns etwas ungewohnt, aber in der Schweiz kann man Bahn und Postbus gut in die Touren einplanen).

Furkapasshöhe

Ins Gespräch(Fußball) vertieft, erreichen wir schließlich beide den Furkapass, seine sportliche Gattin kurz danach, und ich „fahr schon mal voraus“, weil die beiden mich mit meiner angeschlagenen Verfassung sicher bald einholen werden(ich hab sie danach nicht mehr gesehen).

Ein rauschende Abfahrt führt an den traurigen Resten des Rhonegletschers vorbei hinab nach Gletsch.

Grandhotel Gletsch mit Grimselpassstraße

Für die Grandhotel-Liebhaber unter euch, die das besondere lieben, bietet das bereits von weitem sichtbare Grandhotel im Stile der belle epoque, auch heute noch seine Dienste an.
siehe: http://www.glacier-du-rhone.ch/presse/artikel-als-pdf-download.pdf

Es folgt mein persönliches Highlight der Runde: Kurvig, durch lichten mit Fels durchsetztem Wald, landschaftlich romantisch, führt die Abfahrt hinab ins Goms nach Oberwald. Hab leider keine Bilder davon, weil ich in der Abfahrt nicht stoppen wollte. Diese Passage muß auch bergauf Spaß machen.

Flach geht’s jetzt im Wallis hinaus bis Ulrichen. Auf diesem Teilstück durchfährt man einen längeren Tunnelabschnitt(der einzige der ganzen Runde) der zumindest ein Rücklicht am Rad erforderlich macht.

Der Nufenenanstieg beginnt mit 13%, die ich noch einigermaßen anständig hinter mich bringe. Im weiteren Verlauf des Anstiegs, der eigentlich erst gegen Ende mit seinen Kehren wieder steiler wird, geht mir nach und nach die Luft aus.
Alle Riegel aufgefuttert, beide Radflaschen leer, gegen Ende immer wieder Foto(Not-)stopps wegen Oberschenkelkrämpfen einlegend, rette ich mich am Nufenen in den dortigen Kiosk.

Mit snickers, bounty und rivella versuche ich mich wieder zum Leben zu erwecken.
Eine Dose Red Bull mit Wasser verdünnt, wird auf beide Radflasche verteilt und soll mich nun über den Gotthard tragen.

Die folgende über 20km lange Abfahrt durchs Val Bedretto nach Airolo ist der Wahnsinn! Treten nicht nötig! Erst kurz vor Airolo muß man mal wieder ein bischen kurbeln.

im Val Bedretto

Die Auffahrt zur Gotthardt ist gut beschildert, aber obacht, Autobahn, Umgehungsstraße und alte Gotthardstraße nicht verwechseln!
Trotz(oder wegen) Zuckernachschubs geht’s weiterhin erstmal nur zach bergauf.

alte Gotthardtstraße im Val Tremola

Thema Kopfsteinpflaster: ich hatte angenommen, dass nur in den Kehren Kopfsteinpflaster anzutreffen wäre. Von wegen! Schon ziemlich bald gibt’s die ersten langen Kopfsteinpflastergeraden. Da muss man mit Druck drüber fahren. Geht aber noch nicht. Nachwievor gibt’s die Neigung zu Oberschenkelkrämpfen.
Ich entschließe mich, konsequent jeden Km drei Schluck aus meinem RedBull-Wasser-Zaubertrank zu nehmen.

alte Gotthardtstraße im Val Tremola

Und siehe da, als schließlich die berühmten Kehren im Val Tremola beginnen, der Straßenbelag nur noch aus Kopfsteinpflaster besteht, ist plötzlich wieder Druck auf den Pedalen. Es macht mir auch gleich wieder richtig Spaß, sich so Kehre um Kehre aufwärts zupunchen.

Gotthardt Hospiz in Sichtweite

Schließlich ist das Gotthard-Hospiz erreicht, und ich entscheide mich auch bergab auf der alten Gotthardstraße zu bleiben. Die führt jetzt schnurstracks und weitgehend ohne Kurven bergab. Wie schon vom Mountenbiken bekannt, empfiehlt sich bei ruppigem Untergrund hohes Tempo zur Stabilisierung. Da die Straße zwar aus Kopfsteinpflaster besteht, aber in gepflegtem Zustand ist, rausche ich fullspeed abwärts bis zur Einmündung der Hauptstraße.

 

Um 17:45 steige ich schließlich am Parkplatz wieder vom Rad.

MITTWOCH 12.08.2018
Mit bleischweren Beinen trete ich die Heimreise an. Heute noch irgendwas fahren? Bestimmt nicht!


Fazit: Drei Tage hintereinander schwere Pässe zu fahren, kann ich mir mittlerweile wohl abschminken.

Streckenbeschreibung und weitere Bilder findet ihr auf meiner Seite baazwadl.net