Der Ausfall unserer geplanten Tour von Disentis über den Lukmanierpass hatte auch was Gutes: Uns blieb die Nordseite erspart. Etliche Tunnels, eine lange Galerie am Scheitel und angeblich unspektakuläre 1100 Höhenmeter Anstieg.
Doch irgendwie wurmte es uns schon, dass wir nicht wussten, wie es denn da so ist, in den Tessiner Alpen zumal auf der Südseite des Lukmanierpasses kein Streetview existiert.
Balla hatte dann die charmante Idee, zwei Tage früher unsere Sommerferien zu beginnen und von Süden auf den Pass zu radeln.
Angesichts der Länge, Höhendifferenz und der – man will es kaum glauben – der Kälte am Morgen, verlegten wir den Start von Biasca nach Acquarossa. Es blieben immer noch 27 Kilometer und 1450 Höhenmeter Anstieg.
Zum Glück erreichen nach zehn Minuten die ersten Sonnenstrahlen den Parkplatz auf 530 m. Ein kurzer Schlenker über die Bahntrasse und wir stoßen auf die Veloroute 36.
Diese folgt zunächst einer kleinen Nebenstraße, der Via Traversa auf der Ostseite des Val Blenio bis zu einem Abzweig auf 760 m.
Bis hier machen wir die ersten Höhenmeter durch kleine alte Dörfer.
Was folgt ist eine traumhafte schmale Straße durch steile Wiesenhänge und Kastanienwälder. Nach zwei kurzen Abfahrten treffen wir bei 1059 m auf die Via Lucomagno.
Jetzt heißt es erstmalig Motorradfahrer und Autos. Viele sind es aber nicht. Der Lukmanierpass ist für die motorisierten Zeitgenossen wohl wenig attraktiv.
Auffällig ist allerdings der Straßenbelag: Betonplatten. 1964 wurde diese Straße angelegt. Weiter oben entdecken wir einen Abschnitt der alten Straße auf der gegenüberliegenden Talseite. Diese ist aber teilweise verfallen und leider dauerhaft abgesperrt.
Unsere leeren Kohlenhydratspeicher füllen wir im Ristorante Ospizio Camperio.
Gestärkt durch Pasta und Espresso geht’s nochmals in einen kurzen Abschnitt alter Passstraße. Teilweise auch nagelneu asphaltiert.
Danach wird’s zäh. Lange breite, betonierte Passagen im Wald ohne landschaftliche Highlights, außer der Blick auf den Schnee der Cima di Gana Bianca. Abwechslung gibt es nur wegen zwei kurzer Tunnels und einer Galerie.
Wir erreichen aber dann doch das Centro Pro Natura Lucomagno.
Die Kellnerin wunder sich über unsere Bestellung, wahrscheinlich weil wir alkoholfreies Bier, Wasser, Espresso und Himbeerkuchen gleichzeitig ordern.
So kann uns das bisschen Gegenwind auf den letzten viereinhalb Kilometern, vorbei an traumhaften Hochalmen, nicht mehr ausbremsen.
Am Pass sind eine Gruppe holländischer Biker und ein Bauer, der seine Kühe zusammentreibt. Vermutlich endet hier der Almbetrieb und somit auch der Sommer.
Für uns heißt es jetzt umkehren und runter ins Tal. Wir sind ja erst am Beginn unserer Ferienreise.














